Konflikte haben eine Vorgeschichte
Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand eine These: Die meisten Erbstreitigkeiten entstehen nicht erst mit dem Tod eines Angehörigen, sondern wurzeln in ungelösten Konflikten aus früheren Lebensphasen. Steffen Köster, Fachanwalt für Erbrecht von der Kanzlei Königstraße Köster & Kollegen, machte deutlich, dass rein juristisch naheliegende Lösungen oft nicht die besten sind. Denn wo Emotionen auf Recht treffen, brechen alte Verletzungen auf. Genau hier setzt die besondere Kooperation der Kanzlei mit der Diplom-Psychologin Pamela Klein an. Ihr gemeinsamer Ansatz folgt dem Leitsatz: "Erst die Geschichte heilen, dann das Erbe heilen". Ziel ist es, gerichtliche Auseinandersetzungen zu vermeiden und den familiären Frieden zu bewahren.
Rechtliche Klarheit - typische Fehler vermeiden
Im ersten Teil des Vortrags ging es um den gesetzlichen Rahmen des Erbrechts. Themen waren unter anderem die gesetzliche Erbfolge, die Problematik von Erbengemeinschaften und die oft unterschätzte Erbschaftssteuer. Steffen Köster infromierte über die zehn größten Fehler beim Testament: vom blinden Vertrauen auf die gesetzliche Erbfolge über Formfehler und unklare Regelungen bis hin zur Gründung von Erbengemeinschaften. Der Appell an die Teilnehmenden war klar: Wer rechtzeitig vorsorgt, schützt nicht nur sein Vermögen, sondern auch seine Familie.
Ein neuer Weg im Erbrecht: Verantwortung zu Lebzeiten
Im zweiten und dritten Teil des Nachmittags wurde der Blick bewusst geweitet. Vorgestellt wurde ein neuer "Generationenvertrag", bei dem Regelungen bereits zu Lebzeiten getroffen werden - etwa durch Schenkungen oder Übertragungen von Immobilien mit Nießbrauch- oder Wohnrechten. Diese Lösungen bieten nicht nur steuerliche Vorteile, sondern ermöglichen es auch, Konflikte noch im persönlichen Gespräch zu moderieren. Im Zusammenspiel von Anwälten und Psychologin wird gemeinsam erarbeitet, wer was möchte, wo Grenzen liegen und wie alte Konfliktlinien befriedet werden können. So entsteht eine maßgeschneiderte Lösung, die dem Gedanken der Verantwortung und Nächstenliebe gerecht wird - und das Erbe zu einem verbindenden statt trennenden Element macht.