Wer gestaltet die Spielregeln unseres Wirtschaftens?
Unter dem Titel "Geld regiert die Welt? Zwischen Markt, Macht und Verantwortung" begrüßten die Caritas Stiftung Stuttgart und das Deutsche Stiftungszentrum knapp 50 Teilnehmende im Atrium des Hauses der Katholischen Kirche in Stuttgart. Bereits in der Begrüßung durch unseren Stiftungsvorstand Oliver Hans und Andrea Schildhorn vom Deutschen Stiftungszentrum wurde es philosophisch. Oliver Hans brachte die besondere Perspektive von Stiftungen auf den Punkt: "In einer Stiftung wechselt das Geld die Rolle - vom Herrscher zum Diener." Im Mittelpunkt des Abends stand die Frage, welche Verantwortung Vermögende, Unternehmen und Stiftungen für das gesellschaftliche Zusammenleben tragen.
Auf dem Podium, moderiert von Kimsy von Reischach, diskutierten Wilfried Porth, ehemaliges Vorstandsmitglied der Daimler AG und Vorstandsvorsitzender der Bürgerstiftung Stuttgart, sowie Matthias Schmolz, Geschäftsführer des Deutschen Stiftungszentrums und des Stifterverbandes. Beide berichteten zunächst von persönlichen Erfahrungen mit Geld. Schmolz erzählte mit einem Augenzwinkern, wie er sein Führerscheingeld lieber in eine Reise nach Kanada investierte, um seine Jugendliebe zu besuchen - der Führerschein musste daraufhin bis zum 30. Lebensjahr warten. Porth schilderte eindrückliche Erfahrungen aus seiner Zeit in Brasilien und Südafrika, wo die Kluft zwischen Arm und Reich deutlich sichtbarer istals in Deutschland. Eine solche Ungleichheit, so seine Überzeugung, gefährdet langfristig den sozialen Frieden.
Stiftungen als Gestalterinnen gesellschaftlicher Zukunft
"Die Macht von Stiftungen liegt nicht in ihrem Geld", betonte Matthias Schmolz. Ihre Aufgabe bestehe vielmehr darin, dort tätig zu werden, wo staatliches Handeln oder politische Mehrheiten fehlen. Stiftungen könnten neue Wege erproben, Risiken eingehen und gesellschaftliche Innovationen ermöglichen. Wilfried Porth regte zugleich eine Diskussion über die Zukunft des Stiftens an. Klassische Ewigkeitsstiftungen betrachtete er kritisch und plädierte dafür, vorhandenes Kapital stärker für konkrete Wirkungen einzusetzen und neue Formen der Finanzierung zu entwickeln.
In die Zukunft blickend waren sich beide Podiumsgäste einig, dass Stiftungen nicht nur bestehende Probleme lindern, sondern aktiv an der Gestaltung einer besseren Gesellschaft mitwirken sollten. Porth warb dafür, jüngere Generationen stärker in Entscheidungsprozesse einzubeziehen: "Die, die mit der modernen Welt von heute groß gworden sind - diese Generation müssen wir eigentlich machen lassen." Schmolz erinnerte daran, dass die Gründerinnen und Gründer von Stiftungen so vielfältig seien wie die Gesellschaft selbst.
Vielfältig gestalteten sich auch die Fragen und Anmerkungen der Zuhörerinnen und Zuhörer und auch die regen Gespräche beim anschließenden Stehempfang.